Zeng Fanzhi erschafft das neue Bild für BILD

Schon mit dreizehn Jahren faszinierte Zeng Fanzhi die Malerei. Aus armen Verhältnissen kommend, setzte er alles daran an der Akademie aufgenommen zu werden. Er studierte in Wuhan Malerei und sparte sich das Geld für Farbe und Pinsel beim Essen ab – frei nach dem chinesischen Leitmotiv: „Wenn Du so gut sein willst wie Dein Meister, dann arbeite so wie Dein Meister.“ Er suchte sich seinen Meister und das war Albrecht Dürer, für ihn sein großes Vorbild.

Zeng Fanzhi ist heute ein anerkannter Star auf dem internationalen Kunstmarkt. Seine Werke werden in London, New York und Paris hoch gehandelt und gefeiert. Erst vor kurzem waren seine expressionistischen Landschaftsbilder im berühmten Louvre in Paris ausgestellt. Große Aufmerksamkeit wurde ihm  zuteil, als für eines seiner Maskenbilder mehr als 23 Millionen US-Dollar gezahlt wurden. Es handelt sich um das berühmte Abendmahl, Jesus mit seinen Jüngern, allesamt maskiert.

Er hat einen ganz besonderen Stil entwickelt, den sogenannten symbolischen Expressionismus. Themen aus der Geschichte oder berühmte Figuren überzeichnet er malerisch. In seinen Maskenbildern hinterfragt er die Doppelmoral des menschlichen Daseins. In seinen Landschaftsbildern mit abstrakten Verästelungen spielt er auf seine künstlerische Herkunft an – die traditionelle chinesische Landschaftsmalerei. Vor zwanzig Jahren gehörte er zum Underground der chinesischen Kunstszene, eben weil er das bloße Abbilden von Landschaften nicht praktizierte, sondern seinen Sonderweg ging. Sein fantasievoller Expressionismus und seine Darstellung von Individualität passten nicht zu den offiziellen chinesischen Vorstellungen von Kunst, dem sozialistischen Realismus. Kollektive Kreativität, das war nicht sein Ding. Heute ist man auch in China stolz auf ihn. Aktuell plant er sein eigenes Museum. Bilder malen ist für ihn wie Atmen.

Für BILD hat er nun ein besonderes Symbol aufgegriffen und neu geschaffen: betende Hände. In einer Zeit, in der wir gerade in Zentraleuropa von Ängsten und Ungewissheit geprägt zu sein scheinen, eine Krise nach der anderen die Regierungen und Menschen verzweifeln lässt, da schickt uns der berühmteste chinesische Künstler ein vieldeutiges Zeichen. Er greift das alte Dürer-Motiv auf und sieht in der Darstellung von Händen eine ganz besondere Herausforderung. „Zeig mir deine Hände und ich erfahre viel über Dich“! So seine Überzeugung.

Drei unterschiedliche betenden Hände – nach oben gerichtet. Drei unterschiedliche Haltungen als Zeichen für Individualität, Ruhe, vielleicht für Zuversicht, vielleicht als Zeichen der Hoffnung, der Suche nach Selbstvertrauen und der Kraft, die Herausforderungen des Lebens zu bestehen. Seine Hände sind ein Bekenntnis zur Kunst als schöpferischem Akt und zeugen von seinem Glauben an die unendlichen Fantasien, die in uns, vor allem aber im Künstler schlummern und immer wieder motiviert werden müssen. Sein Bild für BILD ist vielleicht auch für uns Aufforderung zu glauben – wenn nicht an einen Gott, dann doch zumindest an uns selbst.

*Prof. Walter Smerling ist Direktor des Museums Küppersmühle, Vorstand der Stiftung Kunst und Kultur der Ausstellung CHINA8.

John Baldessari erschafft das neue Bild für BILD

Los Angeles – Er hat seit Jahren kein einziges Bild gemalt. Er ist kein Bildhauer. Fotos macht er auch nicht. Und trotzdem ist er für die Kunstwelt einer der größten Künstler überhaupt. Und das nicht nur, weil er 2,04 Meter groß ist.

John Baldessari (84) ist Konzeptkünstler. Er macht Serien von Kollagen, Montagen, Videos, Aktionen. Ein verrücktes Genie! Wenn Baldessari große Papierbögen aus dem Fenster wirft, so für den Betrachter Teile des Hauses verdeckt, dann jubelt die „New York Times“ „wunderbar“.

Wenn er sich eine halbe Stunde dabei filmen lässt, wie er in Schreibschrift – wie ein bestraftes Schulkind – „I Will Not Make Any More Boring Art“ („Ich werde keine langweilige Kunst mehr machen!“) schreibt, nennen das Kritiker „genial“. Und wenn er ein schlechtes Foto vergrößert und mit dem Wort WRONG („FALSCH“) untertitelt – reißen sich Museen um das Werk.

Und nun schenkt er Ihnen, liebe Leser, morgen auf einer ganzen Seite ein „Bild für BILD“. Ein faszinierendes Werk mit dem Titel  „Child With Kitten“ (Kind mit Kätzchen).


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Zu Besuch im Atelier von K.O. Götz

Als er zur Welt kam, brach der Erste Weltkrieg los. Die Nazis verboten ihm zu malen, da war gerade 21. Und in den Wirtschaftswunderjahren lehrte K.O. Götz als Kunstprofessor in Düsseldorf. Einer seiner Schüler war Gerhard Richter, einer der teuersten Maler der Gegenwart.

Am 22.02.2014 wird K.O. Götz 100 Jahre alt. Von der Welt sieht er nichts mehr, seit er vor drei Jahren erblindete grüner Star. Doch mit seinem wachen Geist verfolgt er, wie ihn die wichtigsten Museen Deutschlands – von der Neuen Nationalgalerie Berlin bis zum Museum Küppersmühle in Duisburg mit großen Retrospektiven ehren.

Dass vor seinem inneren Auge noch immer die prächtigsten Werke entstehen, beweist er mit seinem „Bild für BILD“. Trotz Blindheit hat sich der Meister des „Informel“ noch einmal in sein Atelier im Westerwald begeben. Das Ergebnis: ein Werk in Größe einer BILD-Zeitungsseite. Geschaffen mit seiner berühmten Rakel-Technik, bei der er die Farbe mit einem Gummi–Schieber mit schnellen Bewegungen über die Leinwand zieht.

Text: © Willem Tell

Die Entstehung des Kunstwerks, Besuch in Christo’s Atelier

Schauen Sie gemeinsam mit dem Fotografen Wolfgang Volz, dem Kunstexperten Dr. Alexander Tolnay und dem BILD Readakteur Willem Tell dem Künstler über die Schulter bei der Entstehung des Kunstwerkes. Christo lebt und arbeitet in seinem Haus in New Yorker Stadteil SOHO, in dem auch die neue Collage-Grafik entworfen wurde…