Kunst-Expertin Dr. Beate Reifenscheid erklärt das Bild für BILD „Sternblume“

Von Dr. Beate Reifenscheid*

„Sternblume“ – so hat Heinz Mack sein Kunstwerk genannt, dass er für die BILD-Leser geschaffen hat.

Allein schon in dem Wort “Sternblume” hört man den Klang der Poesie, verschmelzen sich doch vor dem geistigen Auge sogleich das Kosmische und das Irdische: Der Glanz und das Funkeln der Sterne am Firmament bei Nacht und das Florale, das in der Blume seine schönste Ausprägung entfaltet.

Heinz Mack liebt solche Wortspiele und auf sehr sinnliche Art verbindet er im Wort bereits, was ihn in seiner Kunst zeitlebens beschäftigt: Das Licht und die Farben, die Dualität zwischen dem Geistigen und dem Irdischen. In Licht und Farbe sind die Grenzen dabei manchmal verschoben, oder zumindest ineinander aufgehoben.

Wenngleich Heinz Mack in seiner Kunst immer abstrakt bleibt und die Anlehnungen an Architektur, Natur oder den Kosmos rein assoziativ entstehen, lässt er den Menschen nicht außen vor. Er selbst sagt: „Je älter ich werde, desto besser begreife ich, wie nicht die Kunst das wunderbare ist, sondern der Mensch als Teil der Natur.“

Auch in seiner Komposition der “Sternblume” tritt der Aspekt des rein Abbildenden, völlig zurück. Stattdessen sieht der Betrachter ein verschachteltes Gefüge aus farbigen, sich überlappenden und dabei auch farblich sich vermischenden Quadraten.

Heinz Macks Auseinandersetzung mit den Phänomen des Schöpferischen sind gespeist von dem Wissen um die Farbenlehren seit Goethe, Otto Runge, Eugène Chevreul, Wassily Kandinsky, Robert Delaunay und Paul Klee. Aber er hat sie zugleich geweitet und untermauert durch seine hohe Affinität zur arabischen Kultur, in der Formen und Licht noch einmal eine andere Rolle spielen als bei uns.

Ebenmaß und rhythmischer Gleichklang sind hier Zeichen des göttlichen Wirkens Allahs. In der Philosophie des Zen-Buddhismus hingegen sind es Licht und Leere, die einen spirituellen Einklang eingehen, dem sich der Suchende erst öffnen muss. Die innere Ruhe leitet zur Leere und zum Licht.

Dieser universellen Kraft spürt Heinz Mack in all seinen Kompositionen nach und davon zeugt auch die Komposition “Sternenblume”, die trotz ihrer farblichen Präsenz die auratische Kraft einer Erscheinung in sich trägt. Diese verkörpert seine tiefe Verbundenheit mit der Natur und mit dem Sternenall, in denen er ebenso Prozesse physikalischer Natur als auch Zeichen des göttlichen Wirkens sieht.

Vereint und auf einen Punkt gebracht sieht Heinz Mack dies im Licht selbst: „Es ist eine dieser wunderbaren Eigenschaften des Lichts, dass es die kleinen, wie auch die größten Gegenstände des Universums gleichermaßen gut sichtbar macht.“

Heinz Macks künstlerische Verdienste und Anerkennungen sind zahlreich und markieren seine Bedeutung innerhalb der internationalen Kunstszene. Seine Impulse und neuen Wege, die er vorgedacht und realisiert hat, beweisen seine Erforschungen zum Licht, zur Bewegung, aber auch zur Natur, zu Land Art und zur Skulptur im öffentlichen Raum.