80 Jahre Heinz Mack: „Für mich zählt nur die Kunst“

80 Jahre und kein bisschen Ruhe! Der legendäre Maler und Bildhauer Heinz Mack lud gestern zum Geburtstagsempfang, doch viel Zeit zum Feiern blieb nicht.

Grund: die Arbeit! Nächste Woche startet Macks große Retrospektive in der Bundeskunsthalle Bonn, ständig erreichen ihn Anfragen von Museen und Galerien weltweit.

 

Atelierbesuch: Mack im Malerkittel, Mozartklänge im Hintergrund. „Das ist meine Inspiration“, sagt Mack. Gerade hat er ein 3,60 x 6 Meter großes Werk vollendet: „Der Garten Eden“.

Bibel-Bezug? „Ich bin kein frommer, aber ein religiöser Mensch“, erklärt Mack. „Ich suche das Paradies auf der Erde und nicht im Himmel.“

Gefunden hat er es auf dem denkmalgeschützten Huppertzhof in Mönchengladbach. Mit Ehefrau Ute, Tochter Valeria, Hund Zora, Kater Balu und seiner Kunst: riesige Skulpturen, verteilt auf 10 000 qm Garten-Park, der die drei Häuser und das Atelier umgibt.

Im Wohnzimmer des großen Fachwerkhauses, das Mack bewohnt: acht Stelen, geschaffen 1963 in New York, heute für weit mehr als 100 000 Euro gehandelt. Pro Stück! Mack erzielt Rekordpreise, bis zu 300 000 Euro.

Das macht ihn stolz. Mehr auch nicht: „Ich habe kein tiefes Verhältnis zum Geld. Es ist über 30 Jahre her, dass ich eine Bank betreten habe. Meine Frau ist meine Finanzministerin. Sie steckt mir ab und zu mal Geld in die Hosentasche – aber selbst das brauche ich kaum. Für mich zählt nur die Kunst …“

Die Kunst war Mack auch wichtiger als die sichere Beamtenstelle als Lehrer. „Ich war der jüngste Studienrat in Nordrhein-Westfalen. Mein Vater ist aus dem Krieg nicht zurückgekehrt, meine Mutter bekam keine Rente. Bei uns herrschten bescheidene Verhältnisse und ich musste meiner Mutter versprechen, einen bürgerlichen Beruf zu wählen.“

Keine leichte Zeit: „Ich habe die Nächte im Atelier gearbeitet, musste dann morgens in die Schule, habe nachmittags kurz geschlafen, bis ich ab 20 Uhr wieder im Atelier gearbeitet habe.“

1957 gründet Mack mit Otto Piene die Gruppe ZERO.

„Wir haben nach neuen Wegen in der Kunst gesucht. Anfangs wurden wir ausgelacht. Keiner nahm uns ernst. Aber wir haben die Arbeit ernst genommen.“

Statt Bildern schafft Mack mit Licht, Strukturen und Bewegung eine ganz neue Kunstdimension, wird weltberühmt. Künstler wie Günther Uecker, Yves Klein und Lucio Fontana schließen sich ZERO an.

1966 verkündet Mack das Ende der Gruppe. Er konzentriert sich auf Großplastiken. Heute stehen sie in fast allen deutschen Metropolen – ob Granit-Stele vor dem Kölner Dom (66 Tonnen) oder Lichtpfeiler (30 Meter) vor dem Berliner Europa-Center. „Kunst will betrachtet werden“, sagt Mack. „Und wo findet man mehr Betrachter als auf der Straße?“